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Fürstliche Feldpostbriefe: Großherzog Ernst Ludwig von Hessen an Großherzogin Eleonore



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Großherzog Ernst Ludwig von Hessen (3. v.r.) beim Res. Infanterie - Regiment Nr. 83 an der Westfront, Januar 1916.


Wie die anderen deutschen Monarchen besuchte Großherzog Ernst Ludwig öfter "seine", also in diesem Fall die hessischen Truppenteile. Diese Aufenthalte in der Nähe der Front hatten mehr demonstrativen, psychologischen Charakter, denn an der operativen Truppenführung hatten die deutschen Fürsten keinen Anteil. Ernst Ludwig führte ein Tagebuch und schrieb eine große Anzahl Briefe an seine Frau, Großherzogin Eleonore von Hessen, die durch ihren Rang auch "Chefin" eines Regimentes war. (Infanterie Leibregiment Großherzogin; 3. Großherzoglich - hessisches Nr. 117)



Aus einem Brief vom 10./17. September 1914:

Eben kamen zwei von deinen Offizieren durch. Sie waren beide im Bein verwundet & wurden per Auto weiterbefördert. Sie sagten, der Angriff heute nacht & heute morgen wäre großartig gewesen. Sie hätten sich furchtbar geschlagen aber oben wären sie. Die Verluste sind riesig. Sie sagten in den beiden Tagen hätte die Division 4.000 verloren. Wenn es so weiter geht bleibt nichts mehr von den Hessen übrig. Aber Gott sei dank konnten die beiden das nicht so genau wissen & es wird in der Aufregung in der vorderen Linie zu rasend übertrieben. Es flog ein feindlicher Flieger über uns. Man ist so daran gewöhnt, daß man kaum hinsieht. Man versucht nur nicht gerade unter ihm zu stehen, den sie lassen Eisenspitzen so lang wie dies Papier herunterfallen. Es ist eine Kinderei & hat keinen großen Wert, wo es aber trifft, geht es durch. Unten ist der Pfeil schwer, der Schaft in Längsriefen ausgehöhlt, dadurch fällt er senkrecht & du kannst dir die Geschwindigkeit denken, wenn er von 2000 M. Höhe fällt. Es ist jetzt î nach 7. Die Stellungen, die genommen wurden, wollen sie halten. Das ist alles. Verschiedene andere Corps sind noch in Schwierigkeiten. Alles steht beinahe gleich wie heute morgen. Gute nacht, mein Schätzchen, wir wollen zu abend essen. Eben kommen die Ulanen wieder her, so werden wir nicht ganz allein sein nur mit den Bäckern. Sie sind wirklich ein nettes Offizierscorps. Der Oberst hat das Regiment recht in die Höhe gebracht.


(Staatsarchiv Darmstadt, Großherzogliches Familienarchiv D. 24 Nr. 32/7)

25. Oktober 1914:

Vor dem Chateau geht eine Rille in die Felder, sie ist armhoch und hat ziemlich viel Gebüsch. Da traf ich einen armen jungen Offizier vom 60. R.[egiment], der seinen Bruder draußen vom Acker ausgegraben hatte & ihn hierher ins Gebüsch gebracht hatte, um ihn an einem ruhigen Ort zu bestatten. Zwei Soldaten halfen ihm das Grab zu graben. Er war so verzweifelt & weinte wie ein Kind. Ich ging mit ihm hin und her & suchte ihn zu beruhigen, es war schwer. Nie werde ich den Anblick vergessen, diesen einsamen Menschen ganz in Grau umgeben von ganz goldenen Bäumen & die untergehende purpurne Sonne.


(Staatsarchiv Darmstadt, Großherzogliches Familienarchiv D. 24 Nr. 44/3)